Kunst im Stadtraum
Ari wartet was geschieht - Die Friedensstatue im 5. Jahr
Im Frühjahr 2020 stellte der Korea-Verband beim Bezirk Mitte einen Antrag auf Sondernutzung zur Aufstellung der Friedensstatue von Kim Seo-Kyung und Kim Eun-Sung. Das Kunstwerk erinnert an die rund 200.000 Frauen und Mädchen, die während des Asien-Pazifik-Krieges von der japanischen Armee zur Prostitution gezwungen wurden. Die Statue soll nicht nur an die sogenannten „Trostfrauen“ erinnern, sondern auch auf die Kontinuität sexualisierter Gewalt in Kriegen und Friedenszeiten aufmerksam machen.
Britta Schubert
Die Statue entstand aus den seit 1992 wöchentlichen Protesten vor der japanischen Botschaft in Seoul und wurde schnell zu einem globalen Symbol. Repliken stehen in Nordamerika und Europa; in Deutschland gab es nach gescheiterten Versuchen in Freiburg und Hamburg 2017 die erste Aufstellung in Regensburg, gefolgt von temporären Standorten in Frankfurt am Main, Kassel und im Jahr 2025 in Köln.
Die Kunstkommission des Bezirks Mitte befürwortete den Antrag des Korea-Verbands 2020 ausdrücklich. Sie lobte die gesellschaftliche Relevanz des Projekts und regte an, auch die deutsche Verantwortung für sexualisierte Kriegsverbrechen zu thematisieren. Bei der Einweihung im September 2020 griffen Redner*innen diesen Impuls auf und stellten Bezüge zu anderen historischen und aktuellen Kontexten her. Nataly Jung-Hwa Han, Vorsitzende des Korea-Verbands, erklärte: „Die Friedensstatue soll mahnen und erinnern, sowie den Ansporn geben, Verbrechen an Mädchen und Frauen zu verfolgen, zu ahnden, und letztendlich aus der Welt zu schaffen.“
Kurz darauf entzog der Bezirk die Genehmigung, offiziell mit der Begründung, man dürfe keine Parteinahme in internationalen Konflikten einnehmen. Medienberichte machten jedoch den Druck der japanischen Regierung deutlich: Außenminister Motegi hatte sich gegenüber seinem deutschen Amtskollegen für den Abbau eingesetzt. Proteste gegen den drohenden Abriss und Beschlüsse der Bezirksverordnetenversammlung sorgten dafür, dass die Statue zunächst bestehen blieb. 2021 und 2022 wurde die Genehmigung verlängert, zudem eröffnete 2022 ein Museum zu den „Trostfrauen“ in der Nähe. Im September 2024 stimmte das Bezirksparlament Mitte für einen dauerhaften Verbleib der Statue an ihrem Standort in Moabit. Einem Einwohnerinnen-Antrag, für den mehr als 3.000 Bürgerinnen unterschrieben hatten, wurde zugestimmt. Auch ein zweiter, ähnlicher Antrag auf Initiative der Linken, SPD und Grünen wurde angenommen.
Seit der Aufstellung kam es immer wieder zu diplomatischen Interventionen. Laut nd (9.7.2025) trafen Vertreter der japanischen Botschaft in Berlin sowohl Senats- als auch Bezirkspolitiker*innen. Regierender Bürgermeister Kai Wegner erklärte im Mai 2024, es dürfe keine „einseitige Darstellung“ geben, nachdem er Gespräche mit dem japanischen Botschafter und der damaligen Außenministerin Yoko Kamikawa geführt hatte. Auch Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger plädierte für die Entfernung und verwies auf eine Bezirksrichtlinie, wonach privat errichtete Kunstwerke nicht länger als zwei Jahre im öffentlichen Raum verbleiben dürfen.
Nach einer Klage des Korea-Verbands entschied das Verwaltungsgericht, dass die Statue zumindest bis September 2025 stehenbleiben dürfe. Der Korea-Verband reagierte ablehnend auf die Vorschläge des Bezirks, die Statue auf ein benachbartes Grundstück einer Genossenschaft zu verlegen: Veranstaltungen und politische Sichtbarkeit seien dort nicht in gleichem Maße möglich.
In einer Pressemitteilung vom 15.08.2025 (Nr. 186) erklärte Bezirksbürgermeisterin Remlinger ihr Bedauern über die Ablehnung des Angebots. Sie verwies darauf, dass der angebotene Alternativstandort nur 100 Meter entfernt liege, gleichwertig sei und die Kosten für den Umzug vollständig vom Bezirksamt übernommen worden wären. Da der Korea-Verband das Angebot ablehnte, müsse nun das Straßen- und Grünflächenamt im gesetzlichen Rahmen entscheiden. Remlinger betonte, ein dauerhafter Verbleib sei nur nach einem regulären Wettbewerbsverfahren möglich; das Verwaltungsgericht habe die Duldung lediglich bis zum 29. September 2025 erlaubt.