Kulturpolitik

Der letzte Vorsitzende

Christof Zwiener, Gertraudenhain, KISR Leipziger Straße (2023-25), Foto Katinka Theis

Über die ausbleibende Neuberufung des Beratungsausschuss Kunst

Stefan Krüskemper

Einige Aufgaben in unserem Berufsalltag als Künstler*in erscheinen manchmal als notwendiges Übel und man denkt: Eigentlich könnte man darauf verzichten. Aber wenn diese Dinge, dann nicht mehr da sind, oft erst nach einiger Zeit, merkt man erst die große Bedeutung, die sie hatten. Ich war lange Mitglied im Berliner Beratungsausschuss Kunst, und zuletzt dessen Vorsitzender. Nach all den Jahren des Engagements schien es zunächst plausibel, dass der Ausschuss seine Arbeit niederlegte. Auf Vorschlag der Senatsverwaltung sollte er eine Pause einlegen, bis der nächste Beratungsausschuss Kunst mit der Überarbeitung und Verabschiedung der A-Bau neu einberufen würde. Unsere Arbeit war zu diesem Zeitpunkt wirklich getan und ich denke, alle damaligen Mitglieder vertrauten darauf, dass die Neuberufung nach einer gewissen Zeit erfolgen würde, wie vom Senat zugesichert.

Seitdem ist viel passiert, nur eine Neuberufung gab es nicht. Die Sparwelle hat die Berliner Kulturszene existentiell getroffen. Die Kunst im Stadtraum, die wir in den letzten Jahren im BAK mit Energie und neuem Konzept in die Zukunft befördert haben, wurde um 85% gekürzt und liegt nun am Boden. Und obwohl wir vom Büro für Kunst im öffentlichen Raum immer wieder anklopften, ist der Ausschuss noch nicht wieder einberufen worden. Dabei wäre er jetzt dringend nötig: als Ort an dem diskutiert wird, welche Bedeutung und welchen Wert die Kunst im Stadtraum für die Berliner Stadtgesellschaft hat. Als Ort, an dem gemeinsame Empfehlungen entstehen. An dem die Frage, wie es weitergeht, welche Perspektive entwickelt werden kann, diskutiert würde. Das Argument, die neue Anweisung Bau (A-Bau) sei noch nicht verabschiedet, hat keinen Bestand, denn natürlich gilt die alte Fassungweiterhin und regelt alles erforderliche. Gerade weil Architektenkammer, Akademie der Künste, Deutscher Künstlerbund, bbk berlin, Fachöffentlichkeit usw. gemeinsam mit den Vertreter*innen der Stadt beraten, ist dieser Ausschuss so wichtig. Jetzt gibt es Fragen, auf die der Ausschuss Antworten formulieren könnte. Dafür brauchen wir den BAK jetzt um den Dialog nicht abreißen zu lassen.

Als letzter Vorsitzender glaube ich nicht, dass es so geplant war, wie es nun gekommen ist. Ich hatte Vertrauen, und dieses in der Zusammenarbeit gewachsene Fundament ist ja das, was einem Ausschuss seine Substanz verleiht. Nun schmilzt es dahin. Zerrint in den Händen und läuft zwischen den Fingern hindurch. Vertrauen entsteht langsam und zerbricht doch schnell. Die Forderung des Büro für Kunst im öffentlichen Raum ist unmissverständlich: der BAK muss unverzüglich wieder einberufen werden. Nur so lassen sich künftige Kunst im Stadtraum Projekte und Wettbewerbe vorbereiten und empfehlen. Das Konzept der Kunst im Stadtraum muss weiter entwickelt werden. Die kommenden Kunst am Bau Wettbewerbe müssen beraten werden. Der Leitfaden Kunst am Bau gehört evaluiert und gegebenenfalls angepasst. Und die neue A-Bau? Auch darüber sollte bald ein neuer BAK sprechen…