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Elfriede Müller (1957-2026) – Nachruf
Mit großer Traurigkeit nehmen wir Abschied von unserer Kollegin und Weggefährtin Elfriede Müller. Ihr Tod reißt eine riesige Lücke – fachlich, menschlich und persönlich. Wir vermissen sie sehr.
Büro für Kunst im öffentlichen Raum
Elfriede Müller war weit mehr als eine Literaturwissenschaftlerin und Historikerin oder eine prägende Persönlichkeit des Kunst-am-Bau-Büros im kulturwerk des bbk berlin, dem sie seit 1994 angehörte und das sie ab 1995 mit unermüdlicher Energie leitete. Sie war ein zutiefst optimistischer Mensch, voller Tatkraft, Ideenreichtum und Begeisterung. Ihre Energie war ansteckend: Sie konnte Menschen motivieren, mitreißen und für gemeinsame Ziele gewinnen.
Mit Weitsicht, Hartnäckigkeit und großem Engagement führte sie das Büro auf die zeitgemäße Diskurshöhe eines Büros für Kunst im öffentlichen Raum. Sie holte die Anweisung Bau (ABau) für Kunst am Bau und Kunst im Stadtraum aus dem Vergessen zurück und erschloss sie neu als zentrales Aufgabenfeld für Künstler*innen. Dabei dachte sie stets weiter als bestehende Strukturen und bürokratische Vorgaben es vorsahen. Für Elfriede war der öffentliche Raum immer auch ein politischer Raum, ein Ort gesellschaftlicher Aushandlung und Verantwortung.
Zahllose Projekte, Initiativen und Publikationen tragen ihre Handschrift. Erinnerungsinitiativen wie das „Denkzeichen für Rosa Luxemburg“ (2006) oder das „Dekoloniale Denkzeichen“ (2024) standen beispielhaft für ihr Verständnis von Kunst als gesellschaftlich wirksamem Handeln. Mit großer Selbstverständlichkeit und fachlicher Klarheit rekonstruierte und etablierte sie demokratische, fachkompetente Mitbestimmungsstrukturen für die professionelle Bildende Kunst – ein nachhaltiger Gewinn für Künstler*innen, für den bbk berlin, sein kulturwerk sowie für das Land Berlin und seine Bezirke.
Elfriede Müller war eine leidenschaftliche Netzwerkerin, eine unermüdliche Streiterin für transparente Kunstwettbewerbe und faire Entscheidungsverfahren. Unter ihrer Leitung wurde das Büro zu einem integralen Bestandteil bezirklicher Gremien und Senatsverwaltungen. Ihre regelmäßig veröffentlichten kunsttheoretischen Texte, insbesondere in der Zeitschrift kunststadt stadtkunst, zeugen von ihrer analytischen Schärfe, ihrer Haltung und ihrem unerschöpflichen Interesse an kulturpolitischen Debatten – weit über Berlin hinaus.
Dass Kunst heute als selbstverständlicher Bestandteil öffentlicher Baukultur wahrgenommen wird und Kunst im öffentlichen Raum bundesweit und international einen neuen Stellenwert erfahren hat, ist in hohem Maße ihr Verdienst.
Wir verlieren mit Elfriede Müller eine außergewöhnliche Kollegin, eine inspirierende Vordenkerin und einen warmherzigen, zugewandten Menschen. Ihr Optimismus, ihre Kraft und ihre Leidenschaft werden uns fehlen. Ihr Wirken bleibt – in den Projekten, in den Strukturen, in unseren Erinnerungen.
Danke, liebe Elfriede, für alles.
Das Team des KiöR-Büros: Stefan Krüskemper, Martin Schönfeld, Britta Schubert, Katinka Theis, Hauke Ziessler
die Kolleg*innen im bbk, kulturwerk-, und bildungswerk des bbk berlin
der Vorstand des bbk berlin
die Geschäftsführung des bbk berlin und seiner Tochtergesellschaften
Die Beisetzung findet am 13. Februar 2026 statt – Näheres über das Büro für Kunst im öffentlichen Raum