Kulturpolitik
Partizipative Praxis in Kunst am Bau Wettbewerben
Der Begriff Partizipation kann unterschiedlichste Haltungen und Prozesse bezeichnen - gerade in Schulen erscheint es sinnvoll, die junge Nutzer*innengruppe prozesshaft in die Kunst am Bau zu involvieren. Es gibt jedoch Hindernisse seitens der Auslobenden und auch Hindernisse für die künstlerische Praxis.
Seraphina Lenz
Der Begriff der Partizipation eignet sich nicht als Kategorie, da er die unterschiedlichsten Haltungen und Prozesse bezeichnen kann. Es gibt Gemeinsamkeiten, doch müssen wir uns im Einzelfall darüber verständigen, von welcher Art der Partizipation wir sprechen. Das vorausgeschickt beziehe ich mich in diesem Statement auf einige strukturelle Punkte, die vorrangig auf Erfahrungen mit Kunst-am-Bau-Wettbewerben in Schulen basieren. Grade dort erscheint es sinnvoll, die junge Nutzer*innengruppe prozesshaft in die Kunst am Bau zu involvieren. Demzufolge wird dies in Auslobungen häufig angeregt. Es gibt jedoch Hindernisse seitens der Auslobenden und auch Hindernisse für die künstlerische Praxis.
Im Wettbewerbsverfahren ist ein partizipatives Konzept oftmals visuell nicht überzeugend darstellbar. Es muss mit Hypothesen und Konstruktionen arbeiten, in denen die Beteiligten versuchsweise einen Platz finden. Die Pläne werden im Verlauf eines Projekts in Verhandlung gebracht, oftmals korrigiert und angepasst. Das liegt in der Natur der Sache Partizipation, wenn es gut läuft. So müssen Auslober und Jury einen Vertrauensvorschuss leisten, wollen sie sich für einen partizipativen Ansatz entscheiden. Aber auf welcher Grundlage? Im anonymen Wettbewerbsverfahren kann man die Künstler*innen und ihre Erfahrung ja nicht kennenlernen. Auch ist die Beschreibung eines unvorhersehbaren komplexen Prozesses in der notwendig komprimierten Form des Erläuterungstextes nicht ausreichend vermittelbar. Da gelingt es viel eher, eine Skulptur oder ein Wandbild attraktiv in ein Architekturrendering zu implantieren. Dies wirkt dann, als sei es schon Realität und scheint handhabbar.
Von der Kunst aus gesehen gehört bereits in der Konzeptentwicklung die Recherche und die direkte Ansprache der Menschen vor Ort dazu. Wenn man aus Gründen der Anonymitätswahrung mit keinem/r Beteiligten sprechen darf, fehlt dieser wichtige Teil. Partizipative Kunst ist in der Regel ortsspezifisch und arbeitet mit dem Sozialraum. Es ist daher wichtig, dass ein Projekt von der Schule gewollt und unterstützt wird. Ob die Verständigung zwischen Schulleitung und Künstler*in funktioniert, lässt sich in einer Preisgerichtssitzung weder ahnen noch kann es das Hauptkriterium der Juryentscheidung sein.
Bei der Realisierung zeigt sich, dass Zeiträume in partizipativen Projekten eigene Dynamiken entwickeln. Künstler*innen, die in und mit der Schule arbeiten sind in der Regel bereit, die aufwändige Beziehungsarbeit als Teil ihrer künstlerischen Arbeit zu verstehen. Und sie sind trainiert, besonders flexibel zu sein. Denn in einer Schule werden die Zeiträume durch eine Reihe äußerer Umstände bestimmt. Klassenarbeiten, Praktika, Klassenfahrten oder Krankenstände können begonnene Prozesse unterbrechen und sogar zunichte machen.
Was kann man unter bestehenden Bedingungen verbessern? Die Auslobung muss eine eindeutige Qualifizierung enthalten: Was genau ist gewünscht und möglich? Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen und Grenzen für Partizipation zwischen Nutzer*in und Auslober reflektiert und klar vermittelt werden.
Eine Vision zum Schluss: Ich stelle mir vor: Es wird ein Wettbewerb durchgeführt, bei dem von der Koordination über die Juror*innen und die eingeladenen Künstler*innen alle Beteiligten über die entsprechende Expertise verfügen. Die Aufgabe ist so formuliert, dass alle anderen Kunstformen ausgeschlossen sind. Bei diesem Versuch können alle Beteiligten konkrete Erfahrungen machen, die Debatte wird reicher und fundierter. In der Folge wird es einfacher, in den Verfahren die speziellen Qualitäten partizipativer Ansätze zu verstehen und zu vermitteln.