Gregor Krampitz
Werke
Fernweh
Preisträger der aquamediale 6
Fernweh
(Material: Sperrholz, Glasfasermatten, Polyesterharz, Lackfarbe)
Ferne Länder und fremde Kulturen kennenlernen wollen, sich fortbewegen, andernorts anzukommen, sich in andere Welten zu träumen, sind Möglichkeiten, die Gregor Krampitz schon in jungen Jahren bewegt haben. Als Kind im geteilten Berlin aufgewachsen, hat er häufig an den Ufern der Panke kleine, selbstgebastelte Schiffe auf Reisen geschickt. Verbunden mit der Hoffnung, ferne Orte der Sehnsucht anzusteuern, hätte ihm damals schon das nahegelegene und unerreichbare Westberlin genügt. Es war aber nicht nur die Neugierde auf eine unbekannte Welt oder die schöpferische Unruhe, die den Jungen umtrieben, es waren auch die Fluchtgedanken vor familiärer Enge, die ihm zusetzten. Um diesen Erinnerungen Gestalt zu geben, hat Gregor Krampitz drei stilisierte Faltboote, wie wir sie als heimliche Papier-Bastelei aus langweiligen Schulstunden kennen, gestaltet. In einer Reihe auf dem Wasser der Spree platziert, entwickeln sie als allgemeine und symbolische Schiffsform ein Eigenleben, in das jeder Betrachter seine Hoffnungen nach Veränderung, nach dem Ausbrechen aus dem Alltag, aber auch nach Flucht vor Verantwortung projizieren kann. Eine mit sparsamen Mitteln errichtete Installation, die in lapidaren Alltagsbildern Wirklichkeit und Traumwelt thematisiert. Dass bei entsprechendem Lichteinfall die weißen Boote sich solcherart im Wasser spiegeln, dass der so genannte Fröbelstern entsteht, gehört zu den von Gregor Krampitz beabsichtigten Nebeneffekten. Ohnehin ahnt jeder Betrachter, dass es sich weniger um praktische Entwürfe, sondern um reine Sehnsuchtsmodelle handelt, die uns ins Paradies oder in sein Gegenteil befördern können.
Zukunftsaussichten
Preisträger 2011 der aquamediale 7
17 Hausgiebel auf der Hauptspree platzieren. Auf ca. 100 Meter sollen vereinzelt auf der linken und rechten Seite in Ufernähe ca. 2,50 x 1,80 Meter großen Hausgiebel ins Wasser der Spree gesetzt werden.
Gregor Krampitz nutzt die Kunst als Medium für gesellschaftspolitische Befindlichkeiten in der Umwelt. Was zunächst an Venedig erinnert und wie eine Versammlung stilisierter Spielzeughäuser über die Wasserfläche grüßt, ist in Wirklichkeit eine mahnende Botschaft. Die allmählich im Wasser versinkenden Hausgiebel stehen symbolhaft für den schleichenden Klimawandel, für Katastrophen wie Hochwasser und Überschwemmungen. Je nach Wellenschlag werden die Spiegelbilder zu schwankenden Fragmenten zerstückelt, die über den optischen Reiz hinaus auf die Gefahr steigender Meeresspiegel ebenso aufmerksam macht wie auf mögliche Überflutungen im Spreewald.
Quellwasser (Arbeitstitel) aus der Reihe Zukunftsaussichten III
Preisträger der aquamediale 8
Auf der Wiese oder am Rand der Hauptspree in Lübben möchte ich eine Skulptur aus Glasfaser in der Größe von ca. 6 m x 1,50 m installieren. Ich könnte mir auch vorstellen, dass ein Teil des Objekts ins Wasser ragt.
Das Objekt soll mit Sauerstoffanbindungen und glatter Oberfläche ein ganzes Wassermolekül darstellen. Hierfür möchte ich sechs runde Kugeln mit einem Durchmesser von ca. einem Meter mit zwei kleineren Kugeln mit einem Durchmesser von ca. einem halben Meter verbinden. Das Wassermolekül ist in Blau getaucht.
Das Objekt steht im Zusammenhang mit dem Objekt der diesjährigen Spektrale – 5 in Luckau und bildet eine temporäre Überlandinstallation.
Ich möchte verdeutlichen, wie wir auch auf den nur zehn Kilometern, zwischen Lübben und Luckau, das Quellwasser verschmutzen und unwiederbringlich unbrauchbar machen. Durch Menschenhand gebändigt, durch Menschenhand zerstört.
Nach der Katastrophe in Japan wurde über Tage hoch verseuchtes Wasser kontrolliert ins Meer geleitet. Die Umwelt wurde bewusst kontaminiert. Vergiftet durch Menschenhand -das Fundament des Lebens- unwiederbringlich zerstört. Stück für Stück lassen wir das Fundament des Lebens zu Grunde gehen. Japan ist nur ein Beispiel, wie unverantwortlich wir mit unserem Wasser umgehen. Ölbohrinseln havarieren auf hoher See und Öl strömt über Tage ins Meer. Trinkwasser wird von der Industrie verschmutzt und in die Flüsse geleitet.
Werden wir in 20 Jahren noch sauberes Wasser haben?
Wann werden wir von der Natur lernen und uns auf die Natur einlassen?
Landschaften von Gregor Krampitz
Oxidierendes Gekratztes auf MDF
Eckdaten
www.gkrampitz.de
Skulptur, Fotografie
* 10.01.1966