Kandl
Werke
Mit Vorsatz
Die LITERATURpassage ist eine der künstlerischen Themenpassagen des MuseumsQuar- tiers, die als offen begehbare Minimuseen das inhaltliche Spektrum des Areals erweitern. Der neu gestaltete Eingang zum MuseumsQuartier von der Mariahilfer Straße her ist somit ein „Lesezimmer der Stadt“, der ein Gehen und Lesen in der Stadt sowie ein Gehen und Lesen „der“ Stadt zugleich ermöglichen.
Die Gestaltung der Passage übernimmt die Künstlerin Johanna Kandl (Wien/Berlin) mit ihrer Arbeit „Mit Vorsatz“. Ausgehend von den Vorsatzpapieren, die bei der Bindung von Büchern noch bis in die 1920er-Jahre eine große Rolle spielten, bemalt Johanna Kandl die einzelnen Wand- und Deckenfelder der Passage mit verschiedenen Mustern von historischen Vor- satzpapieren. Die Gestaltung nimmt also Bezug auf das, was buchtechnisch vor dem Text kommt. Zudem ist sie als Akzentuierung der besonderen architektonischen Grundsubstanz der Passage intendiert: Einerseits werden die heraustretenden Teile des baulichen Bestands wie Halbsäulen, Simse, Stuckaturen oder Bögen von der Bemalung ausgespart, anderer- seits wird ein architektonischer Kontext in die Passage „reinportiert“
Mit den besten Zutaten
Johanna Kandl
MIT DEN BESTEN ZUTATEN
Wien, Ringturm, 2024
Der Ringturm
ist ein markantes Hochhaus in prominenter Lage in Wien, in dem sich die Zentrale der Vienna Insurance Group befindet.
Die Vienna Insurance Group ist überwiegend in den Ländern CEE (Ostmitteleuropa) aktiv und feiert 2024 sein 200-jähriges Beste- hen.
Der Ringturm wurde von 1953 bis 1955 nach Plänen von Erich Boltenstern am Schottenring innerhalb der Wiener Ringstraße erbaut. Der 73 Meter hohe Ringturm (93m inkl. der Wetter- lichtsäule) galt als innovatives Projekt für den Wiederaufbau der Stadt.
Mit den besten Zutaten
Die Arbeit Mit den besten Zutaten zeigt Vorratsbehälter, in denen verschiedene Ingredienzien enthalten sind: Mut, Solidarität, Keine Angst, Gemeinsam.
Ausgangspunkt war ein Lied von Hansi Lang aus den 80er Jahren:
Ich lauf’ hinaus und schreib auf jedes Haus meine Liebe, meinen Hass,
Ich schreibe: Keine Angst!
Verschiedene Sprachen sind verwendet. Meist Sprachen, die in Wien viel zu hören sind, aber selten verschriftlicht werden.
(u. a. Kroatisch, Serbisch, Polnisch, Tschechisch, Slowakisch, Un- garisch, Rumänisch, Bulgarisch, Slowenisch, Türkisch....)
Mitarbeiter: François Pisapia
Mit den besten Zutaten
Johanna Kandl
MIT DEN BESTEN ZUTATEN
Wien, Ringturm, 2024
Der Ringturm
ist ein markantes Hochhaus in prominenter Lage in Wien, in dem sich die Zentrale der Vienna Insurance Group befindet.
Die Vienna Insurance Group ist überwiegend in den Ländern CEE (Ostmitteleuropa) aktiv und feiert 2024 sein 200-jähriges Beste- hen.
Der Ringturm wurde von 1953 bis 1955 nach Plänen von Erich Boltenstern am Schottenring innerhalb der Wiener Ringstraße erbaut. Der 73 Meter hohe Ringturm (93m inkl. der Wetter- lichtsäule) galt als innovatives Projekt für den Wiederaufbau der Stadt.
Mit den besten Zutaten
Die Arbeit Mit den besten Zutaten zeigt Vorratsbehälter, in denen verschiedene Ingredienzien enthalten sind: Mut, Solidarität, Keine Angst, Gemeinsam.
Ausgangspunkt war ein Lied von Hansi Lang aus den 80er Jahren:
Ich lauf’ hinaus und schreib auf jedes Haus meine Liebe, meinen Hass,
Ich schreibe: Keine Angst!
Verschiedene Sprachen sind verwendet. Meist Sprachen, die in Wien viel zu hören sind, aber selten verschriftlicht werden.
(u. a. Kroatisch, Serbisch, Polnisch, Tschechisch, Slowakisch, Un- garisch, Rumänisch, Bulgarisch, Slowenisch, Türkisch....)
BE A MENSCH / WILLI RESETARITS HITPARADE
Johanna Kandl
BE A MENSCH /
WILLI RESETARITS HITPARADE Willi-Resetarits-Hof, Wien Favoriten, 2024 Auslober: KÖR Wien/GESIBA
Ausgangssituation
Im Zentrum des Wiener Bezirks Favoriten errichtet die städtische Gesiba, (Gemeinnützige Siedlungs und Baugesellschaft) eine Wohn- hausanlage mit über 200 Wohnungen.
Bevölkerung
2019 betrug die Bevölkerungszahl des Bezirks 204.142 Menschen. Der Anteil der ausländischen Bezirkseinwohner lag 2016 bei 32,8 % Insgesamt waren 2016 43,4 % der Favoritner Bevölkerung nicht österreichischer Herkunft.
Der große Bau wurde nach dem in Österreich sehr bekanntem Musiker und Menschenrechtsaktivisten Willi Resetarits benannt.
Willi Resetarits stammt ursprünglich aus dem Burgenland, er ist Sohn burgenländischer Kroaten.
Willi Resetarits wuchs nach dem Umzug seiner Eltern nach Wien in Favoriten auf und blieb eng mit diesem Bezirk verbunden. Dies äus- serte sich nicht zuletzt in der von ihm mit Leben befüllten Kunstfigur des Ostbahn-Kurtis, dessen Musikstil als Favorit’n Blues bekannt wurde.
Als „Migrant“ war Willi Resetarits gezwungen, sehr schnell „deutsch“ zu lernen und das „in verschiedenen Sprachen sprechen“ hat ihn sein Leben lang begleitet. Sein Engagement für Migranten besteht nach seinem Tod fort – das Integrationshaus Wien ist ein fixer Bestandteil der Betreuung von Geflüchteten.
Fassade: Be a Mensch
Die Wandmalerei an der Fassade nimmt Bezug auf eine Formu- lierung, die im amerikanisch-jiddischen verwendet wurde/wird und im Zusammenhang mit Willi Resetarits eine große Rolle spielt und den er immer wieder verwendete.
Diesen kurzen Satz, der trotz seiner Kürze Multikulturalität, Migra- tionsgeschichte und multikulturelle Biografien thematisiert nahm ich zum Anlass, das Wort Mensch in verschiedenen Sprachen auf stilisierten Schallplatten und CDs zu verschriftlichen.
Die vorrangig vor Ort neben Deutsch gesprochenen Sprachen werden gesprochen, aber selten verschriftlicht.
Wie wichtig die Verschriftlichung nicht im internationalen Fokus stehender Sprachen von Migranten und Minderheiten ist, konnte ich auch auf der Baustelle erleben: Die Bauarbeiter, fast ALLE mit nicht mit deutschen Muttersprachen, kamen immer wieder zur Skizze und zeigten auf die von ihnen gesprochenen Sprachen. Auch Kurdisch, Romanes und Burgenlandkroatisch bekam einen Platz – ebenso wie die Handschrift Alis, eines aus Afghanistan stammenden Mitarbeiters.
Mitarbeiter/Ausführende Fassade: François Pisapia, David Leitner und Paul Riedmüller.
Deckenuntersicht Durchgangsbereich-
Zugang zur Bibliothek: Willi Resetarits Hitparade
Ebenfalls auf stilisierten Schallplatten und CDs scheinen die zehn beliebtesten Lieder seiner zirka 50-jährigen Karriere als Musiker auf. Die Kreisformen und das Hintergrundblau erinnert an baro- cke „Himmel“, Plastizität entsteht. Die teilweise matten, teilweise glänzenden Oberflächen wirken sehr lebendig und changierend. Die Auswahl der Songs wurde durch Befragen von einem Dutzend Wegbegleitern, die mit ihm bei seinen musikalischen oder so- zialen Aktivitäten zu tun hatten, erstellt. Um einen möglichst guten Überblick über sein langes und heterogenes Schaffen zu erhalten, wurden auch sehr unterschiedliche Personen gebeten, ihre drei favorisierten Songs zu nennen.
Mitarbeiter/Ausführende Durchgang: Helmut Kandl, François Pisapia, Michael Maly, Domenico Mühle und Ali Samadi.
Fotos: Michael Michlmeyr
Nah am Text
Die Intervention am Bauzaun des Dommuseums nimmt Bezug auf eines der schönsten, wertvollsten und auch rätselhaftesten Objekte des Hauses. Das Grabtuch, in das der Herrscher Rudolf IV. 1365 gehüllt war, stammt aus dem Iran und zeigt eine Lobpreisung des Sultans Abu Said. Die arabische Schrift wurde auf das Holz des Bauzauns übertragen.
Eckdaten
Installation, Malerei, Partizipation