Marisa Maza
Werke
Time of Choose - Who Speaks! #1
In allen historischen, kulturellen und sozialen Kontexten entwickeln Frauen ihre eigenen Kommunikationsstrategien, um bestimmte Botschaften und Inhalte zu vermitteln. Diese mehrteilige Bildinstallation repräsentiert solche Formen geschlechtsspezifischen Sprechens als dynamische Praxis, die immer neue Bilder und Kommunikationsräume hervorbringt und so zu einem aktivistischen Akt des (Über-)Lebens von Frauen in verschiedenen kulturellen Kontexten wird.
Der erste Teil der Installation ist von der Form und Funktion der Kangas, [tansanische Baumwolltücher] inspiriert, die mit Sinnsprüchen sind, die der Übermittlung von Liebesbotschaften, religiösen Sprüchen oder Alltagsanliegen dienen, die nonverbal ausgedrückt werden. Die Wickeltücher werden zu Kommunikationskanälen für ihre Trägerinnen im öffentlichen Raum.
Die Porträts stellen Frauen im urbanen Raum Berlins dar, die diverse kulturelle, generationale und politische Identitäten haben. Auf Nessel gedruckt, wird die Kombination von Stoff, Bild und Botschaft zu einer „zweiten sprechenden Haut“, mit der Aussagen von Feministinnen unterschiedlichen Alters in die Gesellschaft transportiert werden.
2021-22 Galerie im Körnerpark, Berlin
Ni Para Ya - Ni Para Ca
Ni Para Ya - Ni Para Ca _weder Hier noch Dort -fluide identitäten
(zweiter Teil: RE-Xpedition II) beschäftigt sich mit der Verknüpfung von Gender, kolonialer Vergangenheit und postkolonialer Gegenwart in Kolumbien. Das Zentrum des Ausstellungsprojektes bildet eine Rauminstallation, die gängige Perspektiven auf diese Themenkomplexe hinterfragen und visuell beziehungsweise affektiv erweitern will.
Sie besteht aus zwei Videoarbeiten "Michel" porträtiert eine afrokolumbianische Transgender-Aktivistin, Michel Calendaria, deren Geschichte die Biografie von Catalina de Erauso "la monja Alferez" (1585-?) gegenübergestellt wird. Catalina de Erauso verließ als junge Nonne im 16. Jahrhundert ihr Kloster in Spanien. Als Mann verkleidet reiste sie in die spanischen Kolonien Lateinamerikas, wo sie als Soldat für die Kirche und die Kolonialregierung kämpfte. "Michel" musste wegen ihrer Geschlechtsidentität ihre Wohn- und Familienstrukturen verlassen. Sie schildert ihre persönlichen Erfahrungen zwischen Gewalt und gesellschaftlicher Ausgrenzung, individueller Akzeptanz und subkultureller Selbstermächtigung. Dabei plädiert sie für eine Existenz fernab aller Gender-, Klassen- und ethnischen Stereotype. Anhand von Michels Geschichte beleuchtet das Projekt, wie eine Aktivistin der LGBTIQ-Szene in Bogotá ihre Position im öffentlichen Raum Bogotás erfährt und in der kolumbianischen Gesellschaft behauptet.
Das Videoarbeit "Amazonas_ El Dorado" wird das Publikum Teil einer Kamerafahrt durch das Amazonasgebiet zwischen Kolumbien, Peru und Brasilien. Auf der Suche nach Gold führten die Expeditionen der spanischen Kolonisierenden durch das „El Dorado“ häufig ins Nichts. Ihre kopfüber erzeugten Bilder erzwingen einen Perspektiv wechsel, gleichzeitig scheint sich eine Traumwelt zu eröffnen, die zu einer alptraumhaften Landschaft und Situation ohne Möglichkeit des Entkommens wird. Die Kamera führt vom Fluss zu überflutetem Land über ein Gebiet, in dem die indigene und afrokolumbianische Bevölkerung jahrelang in einer Ausnahmesituation zwischen Guerilla und Paramilitärs lebte und heute von Umweltkatastrophen bedroht wird.
Die "Slackline" im Raum bietet den Betrachteden die Möglichkeit, sie aktiv zu benutzen und dadurch die Erfahrung zu machen, „ohne stabilen Boden“ zu laufen.
2019-20 alpha nova & galerie futura, Berlin
2018-19 Stiftung Más Arte Más Acción, Bogota, Kolumbien
esto Sí es un ladrillo #1-#2
esto Sí es un ladrillo #1-#2 (This Really Is a Brick #1-#2-#3)
Das Projekt greift das Thema der historischen Erinnerung in Madrid neu auf. Der Ziegelstein des Carabanchel-Gefängnisses ist das verortete Fragment eines historischen Ereignisses: In der Vergangenheit war er ein Symbol für Unterdrückung und Ausgrenzung; in der Gegenwart verweist er auf eine Leerfläche im urbanen Raum. Der Abriss des Carabanchel-Gefängnisses beendete im Jahr 2008 die Hoffnung auf ein Zentrum für die Wiederaufnahme des historischen Gedächtnisses.
Die Installation besteht aus einer Reihe von Bildern, die zeigen, wie der ursprüngliche Grundriss des Gefängnisses und seiner verschiedenen Räume - die nach dem Abriss zunächst durch Schutt bedeckt waren - im Laufe der Jahre wieder zum Vorschein kommen. Zusammen mit einem Leporello, der von der Form des "Ziegelsteins" inspiriert ist, kann der Betrachter seinen eigenen Ziegelstein anfertigen, der zudem mit einer Erinnerungsplakette versehen ist. Die Arbeit umfasst schließlich mehrere Siebdrucke, ein Video sowie Tonaufnahmen vom Abriss des Gefängnisses und den Originalziegel mit einem Brief des damaligen Innenministers.
Historische Referenz: Das 1944 eröffnete Gefängnis Carabanchel wurde von politischen Gefangenen gebaut, die für politische Freiheiten kämpften und bis 1975 in Carabanchel inhaftiert waren. Marcelino Camacho, einer der Gefangenen, verbrachte 14 Jahre im Gefängnis. Später sprach er sich gegen den Abriss des Gefängnisses und für den Erhalt des Kuppelbaus als "Museum der historischen Erinnerung" aus. 2010 starb Marcelino Camacho - und 10 Tage später schickte das Innenministerium seiner Familie eine Geschenkschachtel. Im Inneren befand sich ein Originalziegel aus dem abgerissenen Gefängnis mit einer Erinnerungsplakette.
2015 - , MATADERO Museum Centro Contemporaneo-, Madrid, Spanien
Marcel Camacho und Marisa Maza
FOTOKULTUREN #1,#2,#3,#4
FOTOKULTUREN #1,#2,#3,#4 ist die Fortsetzung eines mehrteiligen, partizipativen Kultur- und Fotoprojekts, das 2002 begonnen wurde, in dem zwei Werke exemplarisch vorgestellt werden.
Für die ersten beiden Teile von <FOTOKULTUREN> wurden in Zusammenarbeit mit RABIA (Interkulturell feministisches Mädchenprojekt, Kreuzberg) und ADM (Aids-Beratungsstelle für Migrantinnen aus dem türkischen und arabischsprachigen Raum) Kameras an junge Migrantinnen in Berlin vergeben, mit denen diese über einen Zeitraum von sechs Monaten ihren Lebensalltag (Schule, Familie, Freizeit etc.) fotografierten.
FOTOKULTUREN #1. <wir sind: so> (2003-04) geht auf den gleichlautenden Rap-Song der am Projekt beteiligten Kreuzberger Mädchenband „Schlesi-Girlz“ zurück. Gezeigt wurde die Installation – die eine Kombination zwischen den Fotografien und Tonaufnahme darstellte und das eine lebendige Bild kultureller Identität junger Migrantinnen in Berlin zeichnet.
FOTOKULTUREN #3. <(nur) Kaffee und Kuchen> 2006. Auch in Nürnberg wurden in Zusammenarbeit mit einem Jugendprojekt („Südstadtkids“) Fotokameras an vorwiegend türkischstämmige junge Frauen vergeben, mit denen diese über einen Zeitraum von mehreren Wochen Aufnahmen ihres Lebensumfelds machten. Das Konzept zur Selbstrepräsentation jugendlicher Immigranten in der Stadt wurde von den elf jugendlichen Projektteilnehmern durch narrative Interviews erweitert, in denen diese zu den von ihnen gemachten Fotos Stellung bezogen und die Aufnahmen mit Aussagen über ihre Lebenssituation in Deutschland in Verbindung setzten.Darüber hinaus waren die Gespräche mit den Projektteilnehmerinnen zu hören zusammen mit einem Interview mit Herrn Dr. Brehm, dem Kurator der Ausstellung „Was ist Deutsch“ im Germanischen Museum in Nürnberg.
2002-2006
2006 Kunsthalle Nürnberg, Nürnberg / nGbk, Berlin
2005 space //plattform// Berlin
2003/2004 National Centre of Contemporary Art (NCCA), Moskau
Eckdaten
www.marisa-maza.com
Fotografie, Grafik, Konzeptkunst, Medienkunst, Partizipation