Ute Richter
Werke
per Handschlag
Ute Richter, per Handschlag
Lichtinstallation an der Fassade des Museums der bildenden Künste Leipzig
Mit dem Lichtfest in Leipzig feiert die Leipziger Tourismus und Marketing GmbH
seit 2009 jährlich den „Tag der Friedlichen Revolution“ um an die Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 zu erinnern.
Die Installation „per Handschlag“ der Künstlerin Ute Richter an der Fassade des Museums der bildenden Künste Leipzig zeigt den Händedruck als Sinnbild für "nationales Wohlfühlen" nach der geradlinig vollzogenen Wiedervereinigung der deutschen Bevölkerung.
In der Kulturgeschichte der letzten Jahrhunderte finden sich Bilder des Händedrucks in unterschiedlichen Zusammenhängen. Wird das Zeichen für erfolgreiche Vertragsabschlüsse im Leipziger Stadtraum als Businessikone oder als Zitat des bekannten Politsymbols gelesen? Als leuchtendes Emblem ruft es zweifellos verschiedene Erinnerungen wach.
Der 15. Januar 1919 war ein Mittwoch
Ute Richter, Der 15. Januar 1919 war ein Mittwoch
Zeitungsdruck, 5000 Exemplare zum mitnehmen für Besucher*innen
Installation Januar 2019, MdbK Leipzig, eine Erinnerung an den 100. Todestag von Rosa Luxemburg
Was haben gerasterte Pflanzenposter mit aktuellen Tendenzen national motivierter Gewalt zu tun? Diese Frage stellt die Künstlerin Ute Richter mit ihrer Zeitung „Der 15. Januar 1919 war ein Mittwoch“. Sie will damit an eine alte Geschichte erinnern.
Die Pflanzenmotive für die Poster auf Zeitungspapier wurden dem Herbarium von Rosa Luxemburg entnommen. Die sich nachdrücklich gegen Nationalismus und Krieg positionierte. Am 15. Januar 1919 wurde sie ermordet, damit „Deutschland so schnell wie möglich wieder zu Ruhe kommt“ (Flugblatt Januar 1919).
Das Herbarium der deutsch-polnischen Theoretikerin tauchte vor einigen Jahren in Warschau in einem blauen Schuhkarton wieder auf. 18 Hefte mit aufbewahrten Pflanzen und Pflanzenteilen, präpariert, eingeklebt und mit Kommentaren versehen. Die Eintragungen begann Luxemburg im Mai 1913. Im Oktober 1918, drei Monate vor ihrer Ermordung, enden die Notizen.
Für die Zeitung verwendete Ute Richter 7 Pflanzenmotive Luxemburgs, verfremdet und grob gerastert. Eine Auswahl aus über 300 Pflanzen, die auch in der Haftzeit gesammelt wurden.
Ein Poster der Zeitung zeigt das Zitat von Heiner Müller: “Der Terror von dem ich schreibe kommt aus Deutschland.“ Es markiert den Kontext der Arbeit, und schlägt den Bogen von der Gegenwart in die Geschichte.
Haltestelle mit Leuchtbild
Ute Richter, Entwurf: Zukunft? Wann fängt die an?
Haltestelle mit Leuchtbildern, Entwurf für den geschlossenen Maßregelvollzug
der Forensischen Psychiatrie der Landesklinik Eberswalde, Modell
Die Anlage der Forensischen Psychiatrie der Landesklinik Eberswalde dient der Unterbringung und Versorgung von 124 psychisch kranken und suchtkranken Straftätern. Mit dem Entwurf "Zukunft? Wann fängt die an?" schlägt die Künstlerin Ute Richter den Bau einer "Bushaltestelle" im Park auf dem Gelände im geschlossenen Maßregelvollzug vor. Die Wartehalle mit Leuchtvitrine, Sitzbank und Ascherbox bietet den Patienten auch an Regentagen den entsprechenden Schutz für ihre Raucherpausen.
Die Leuchtbilder der „Bushaltestelle“ zeigen Detailaufnahmen von Tätowierungen in starker Vergrößerung. Bevor das Tattoo in den neunziger Jahren als Modetrend Teil des Alltagsbildes wurde, war es hauptsächlich mit dem Leben in Haftanstalten oder mit der Seefahrt verbunden. In diesen Lebensbereichen fand das Gefühl der Sehnsucht in der Tätowierung seinen Ausdruck. Als Schutz vor Infektion und Selbstverletzung ist in Haftanstalten das illegale Tätowieren mit selbstgebauten Geräten untersagt. Tätowiert wird indessen noch immer: als Kennzeichnung des Dazugehörens.
Eckdaten
www.ute-richter.de
Installation, Konzeptkunst, Lichtkunst, Partizipation
Ute Richter arbeitet als Künstlerin interdisziplinär mit Installation, Video, urbaner Intervention und Zeichnung. Ihre künstlerischen Recherchen entwickelt sie im Kontext von Alltag, Architektur, urbanem Raum und Erinnerung. Ihr Werk umfasst ortsspezifische Installationen im öffentlichen Raum.
Vita
Von 1986–1991 studierte Ute Richter an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Sie lebte von 1992–1998 in Paris, studierte postgradual an der ENSBA Paris und entwickelte ortsspezifische Installationen für den öffentlichen Raum, urbane Interventionen und Videoarbeiten. Nach der Rückkehr nach Deutschland lebte sie ab 1999 in Berlin. Von 2005 bis 2021 lehrte sie an der TU Dresden im Fachbereich Architektur.