Tu Neubauten MATH Und IMos
Preisträger*in
Eckdaten
Wettbewerbsart
Offener zweiphasiger anonymer Kunstwettbewerb
Teilnehmende
Stefan Sous, Folium (Realisierungsempfehlung)
Frauke Boggasch, Schönheit der Nichtordnung
Thilo Droste, Unendlicher Überblick
Francesca Ercoli und Carla Satoca Berges, Relationaler Raum
Heinke Haberland, Deep Field
Thomas Henninger, Game Of Life
Mareike Jacobi, Das Muster mustern
Florian Japp, Lichtwolke
Martin Kaltwasser, Survival of the fittest (3. Rang)
Markus Klink, timeline
Gunhild Kreuzer, Wie ich lernte mit allem Möglichkeiten zu rechnen
Jürgen Meier, Pipe
Jens Reinert, Der Baum im Wind (Anerkennung)
Maik Seidel, Math+M
Diana Sprenger und Euan Williams, Multitudes
Martin Sulzer, Let the sine Shine
Thomas Virnich, Companions
Ulrich Vogl, 6.370.627 cm3
Nikolaus Weiler, Porta Infinitum
Fachpreisrichter*innen
Karin Kasböck (1.Phase)
David Krippendorff
Andrea Pichl
Katrin Schmidbauer (Vorsitz)
Cécile Dupaquier (2. Phase)
Sachpreisrichter*innen
Volker Giezek (Code Unique Architekten)
Sven Holzgreve (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen)
Jana Weidemüller (TU Berlin)
Ständig anwesender stellvertretender Fachpreisrichter
Antje Dorn (2. Phase)
Wettbewerbskoordination
Preisgelder
Realisierungssumme:
527.000 €
Verfahrenskosten:
297.000 €
Aufwandsentschädigung:
2.400 €
Zum Wettbewerb
Für Neubau A, das Mathematikgebäude, und Neubau B, das Interdisziplinäre Zentrum für Modellierung und Simulation, wurden Kunstwerke gesucht. Die Künstler:innen konnten Vorschläge für einen oder beide Standorte einreichen.
Teilnehmende
Siham Issami, 34 Stäbe
34 Metallstangen sollten die Umrisse des Gebäudes im Garten von Neubau A nachzeichnen. Die Stangen folgen den Proportionen der Fibonacci-Folge. Die Arbeit vermittelt durch ihre klare, reduzierte und präzise Struktur grundlegende Prinzipien der Mathematik. In der räumlichen Wirkung – besonders im Wechsel der Perspektiven über die Stockwerke – verweist sie darauf, dass mathematische Erkenntnis durch Vorstellungskraft, Abstraktion und das allmähliche Erfassen des größeren Zusammenhangs entsteht.
Stefan Sous, Folium
Die Skulptur zeigt das vergrößerte, filigrane Gerippe eines Blattes als rostfarbene Corten-Stahlstruktur, die im Luftraum des Treppenhauses schwebt und durch ihre transparente, organische Form einen starken visuellen Kontrast zur Architektur erzeugt. Sie verweist auf mathematische Prinzipien von Struktur, Ordnung und Wahrnehmung und verbindet natürliche Formprozesse mit der abstrakten Logik der Mathematik.
Frauke Boggasch, Schönheit der Nichtordnung
Der Entwurf bildet mit hängenden Drahtskulpturen und schwarzen Glaskugeln eine Installation, die den Gegensatz von Chaos und Ordnung thematisiert und mathematisch erzeugte Formen – auf Basis von Gaußschem Rauschen, Zufallszahlengeneratoren und Bézierkurven – in eine frei schwebende räumliche Zeichnung übersetzt. Die Kombination aus individuell berechneten Drahtobjekten und hermetisch wirkenden Glaskörpern bespielt den 20 Meter hohen Luftraum als feingliedriges Gefüge, das sich durch Licht, Schatten und subtile Aufhängungsstrukturen ständig verändert und zur kontemplativen Betrachtung anregt.
Thilo Droste, Unendlicher Überblick
Der Entwurf thematisiert Unendlichkeit, indem er das Unendlichkeitszeichen an drei Orten des Campus – als vertikales LED-Lichtband, als fragmentiertes begehbares Symbol im Innen- und Außenraum sowie als schriftliches Axiom – in unterschiedlichen Maßstäben und Wahrnehmungsformen erfahrbar macht. Zusammen bilden diese Installationen ein übergreifendes Signet, das die Gebäude verbindet und den Campus als Ort interdisziplinärer Begegnung, Reflexion und gemeinsamer Erkenntnissuche hervorhebt.
Francesca Ercoli und Carla Satoca Berges, Relationaler Raum
Das Kunstwerk verbindet leichte modulare Skulpturen im Innenhof mit hängenden Elementen und grafischen Flächen im Luftraum und den Foyergängen, um ein Spiel räumlicher Beziehungen, Perspektiven und visueller Korrespondenzen zu erzeugen. Durch die Kombination robuster Materialien, präziser Montage und geringer Eingriffe in die Architektur entsteht ein offener Begegnungsraum, dessen wechselnde Raumwirkungen und Licht-Schatten-Effekte den Campus subtil strukturieren.
Heinke Haberland, Deep Field
Die Installation im Luftraum des Treppenhauses zeigt einen hinterleuchteten, aus Blumenmotiven zusammengesetzten „Nachthimmel“, der die universellen mathematischen Strukturen – insbesondere Fibonacci-Folgen – im Mikrokosmos der Natur sichtbar macht und als leuchtendes Band vom Erdgeschoss bis zur Dachöffnung wirkt. Das Werk verbindet kosmische und irdische Perspektiven, indem es die formale Nähe von Straßenrandvegetation und Galaxien betont und zugleich als Hommage an die Vergänglichkeit, Vielfalt und Würde natürlicher Lebensformen verstanden wird.
Thomas Henninger, Game Of Life
Die Installation überträgt die auf den Mathematikers John Horton Conways zurückgehende Arbeit mit zellulären Automaten auf ein Feld aus runden, schaltbaren Leuchtkörpern in den Fluren des IMoS, deren Zustände sich algorithmisch in Generationen weiterentwickeln und durch Passanten über Fotosensoren ausgelöst werden. Dadurch entsteht ein interaktives, autonom reagierendes Lichtmuster, das Fragen nach Gesetzmäßigkeit, Simulation und scheinbarer Lebendigkeit aufwirft und besonders bei Dunkelheit als dynamische Lichtmembran wirkt.
Mareike Jacobi, Das Muster mustern
Die sechs großformatigen, in Gewebe übersetzten aleatorischen Zeichnungen strukturieren die hohe Wand des Foyer-Luftraums und dienen durch ihre unterschiedlichen geometrischen Schwarz-Weiß-Muster zugleich der räumlichen Orientierung. Sie thematisieren Musterbildung als Schnittstelle zwischen Kunst, Mathematik und Technik und verweisen durch ihre digitale Umsetzung am Jacquard-Webstuhl auf die historische Verbindung von rationaler Struktur, Regelhaftigkeit und technischer Innovation.
Florian Japp, Lichtwolke
An der Wand im Lichtraum an Standort Math A2 wird ein Feld von Punktleuchten installiert, das basierend auf Grundlagen wie Conways Game of Life, Schleimpilz-Verhalten, Schwarmdynamiken und physikalische Simulationen, eine weiß dominierte, lebendig wirkende Animation erzeugt, in der vereinzelt rote oder türkise Akzente erscheinen. Die Muster können zeitweise durch online abrufbare Daten oder lokale Sensorsonden sowie optional durch studentische Programmierungen beeinflusst werden, kehren jedoch aus Sicherheitsgründen stets selbstständig zu einem ruhigen Grundzustand zurück.
Martin Kaltwasser, Survival of the fittest
Der Entwurf schlägt vor, im Innenhof eine hochglänzende, um ein Drittel verkleinerte, blattlose Kopie einer Robinie aufzustellen, die der echten Robinie vor dem Mathematikgebäude als perfektioniertes, pflegefreies Gegenbild gegenübersteht. Diese künstliche Baumskulptur soll die Vorstellungen von Perfektion, Leistungsorientierung und technischer Überhöhung hinterfragen und damit einen bewussten Kontrast zu natürlichem Wachstum und Verletzlichkeit setzten.
Markus Klink, timeline
Die Installation besteht aus einer selbstleuchtenden, transluzenten Kugel, die sich extrem langsam vertikal durch den gesamten Luftraum des MATH-Foyers bewegt und so eine subtile, erst beim erneuten Hinsehen wahrnehmbare Veränderung erzeugt. Sie thematisiert die Selektivität und Begrenztheit menschlicher Wahrnehmung, indem sie ein kaum sichtbares optisches „Rauschen“ schafft, das an natürliche, sehr langsame Himmelsbewegungen erinnert.
Gunhild Kreuzer, Wie ich lernte mit allem Möglichkeiten zu rechnen
Sieben gläserne Walnüsse im Lichtschacht symbolisieren die sieben Millennium-Probleme der Mathematik, deren „harte Nüsse“ durch ihre Transparenz und Leichtigkeit als ästhetische Phänomene in den Raum übersetzt werden. Ein bronzener Abakus mit beweglichen Walnüssen ergänzt die Installation und macht deutlich, dass mathematische Probleme – große wie kleine – nicht nur betrachtet, sondern auch spielerisch „gerechnet“ und aus verschiedenen Perspektiven neu verstanden werden können.
Jürgen Meier, Pipe
PIPE übersetzt die akustischen Eindrücke der Höfe von MATH und IMoS über Sensoren in ein virtuelles Echtzeit-Klangmodell, das als abstrakte, sich ständig verändernde Klangatmosphäre über integrierte Lautsprecher für kurze Sequenzen hörbar wird. Die Installation, vollständig in die Außenmöblierung eingebettet, nutzt verzerrte, unverständliche Audioaufnahmen und Annäherungssensoren, um ein nicht speicherbares, simultanes akustisches Gegenbild des Ortes zu erzeugen.
Jens Reinert, Der Baum im Wind
Ein aus Aluminium gegossener Nachbau eines vom Wind gebogenen Baumes simuliert im windstillen Innenhof des IMoS die Idee von Bewegung und verbindet so auf spielerische Weise Modellierung, Simulation, Natur und Technik. Durch seine markante Präsenz schafft er einen Treffpunkt im Hof und kann zugleich subtil Empathie und Verantwortungsgefühl für die gemeinsamen Zukunftsaufgaben anregen.
Maik Seidel, Math+M
Die Mathematik ermöglicht die Planung komplexer Bauprozesse, doch unvorhersehbare Umwelteinflüsse können Abweichungen erzeugen, wie die Baustellenbegehung zeigte. Sichtbetonflächen werden durch Stocken strukturiert und raue Oberflächen erzeugt, während die glatten, leicht erhabenen Buchstaben „MATH+M“ hervorstechen und als ästhetischer, symbolischer Bezug zur Tragstruktur des Gebäudes dienen sollen.
Diana Sprenger und Euan Williams, Multitudes
An der Atriumwand des MATH-Gebäudes sind 180 hochglänzende, goldbeschichtete Rechenskulpturen unterschiedlicher Größe angebracht, die Licht einfangen und als glitzernder Wandteppich wirken. Die Objekte, angeordnet nach Fibonacci-Spiralen, verweisen auf historische Taschenrechner als Symbole mathematischer Zugänglichkeit und verbinden das Gebäude konzeptionell mit Natur, Mathematik und Computergeschichte.
Martin Sulzer, Let the sine Shine
Der Entwurf für den Lichtschacht des MATH-Gebäudes schafft eine mittels Sonnenstands- und Reflexionssimulation entworfene Edelstahlskulptur, deren Form aus einem Elipsoid und einer räumlichen Sinuskurve besteht, um Lichtreflexionen (Kaustiken) im Innenraum zu erzeugen. Diese Reflexionen verändern sich im Tages- und Jahresverlauf und verdeutlichen auf ästhetische Weise, wie aus einfachen Ausgangsbedingungen im Verlauf der Zeit komplexe Lichtmuster entstehen.
Thomas Virnich, Companions
Aus einer Urform sollen zwei Gruppen von „Companions“ entstehen, die als Bronze-Skulpturen mit hell-silberner Patina Gemeinschaft, Verbundenheit und Zusammenarbeit symbolisieren. Die erste Gruppe soll auf der städtebaulich markanten Achse A3 positioniert als Verbindung zwischen Passanten und Gebäude wirken, die zweite Gruppe soll im Hof und Erdgeschoss des MATH-Gebäudes verteilt werden und den Bezug zwischen Innenraum, Hof und Freiraum fortsetzen.
Ulrich Vogl, 6.370.627 cm3
Zwei identische Felsen stehen einander gegenüber, wobei einer ein natürliches Readymade aus dem Berliner Umland ist und der andere als 1:1-gespiegeltes 3D-Druckmodell aus nachhaltigem Biopolymer mit Recyclinganteilen gefertigt wurde. Die Installation thematisiert Dialog, Materialität, Ressourcen, Lebenszyklus und Automatisierung und bleibt als eigenständiges Kunstwerk im öffentlichen Raum sichtbar, wobei Unterschiede in Ursprung und Fertigung bewusst ablesbar bleiben.
Nikolaus Weiler, Porta Infinitum
Die zentrale Raumskulptur aus Corten-Stahl soll zentral in der Grünen Mitte Math A4 stehen und durch ihre kontinuierliche Fläche und Kante die Idee der Unendlichkeit im endlichen Raum verkörpern. Sie schafft dynamische Raumbezüge zwischen den Neubauten, verändert ihre Erscheinung je nach Blickwinkel und ist durch ein frostsicher gegründetes Fundament sowie ein Edelstahl-Standbein sicher verankert, wobei die natürliche Patina des Materials sich über die Zeit lebendig entwickelt.