Herrichtung der Liegenschaft Puschkinallee 52 in Berlin für das Bundeskriminalamt

Preisträger*in

Tobias Hantmann, o.T
Tobias Hantmann, o.T
Tom Früchtl, Den Wald vor lauter Bäumen
Tom Früchtl, Den Wald vor lauter Bäumen
Inges Idee, RIFIFI
Inges Idee, RIFIFI
Cecile Dupaquier, Zick-Zack
Cecile Dupaquier, Zick-Zack

Eckdaten

Jahr
2021
Auslober
Land Berlin

Wettbewerbsart

Nicht offener einphasiger anonymer Kunstwettbewerb mit vorgeschaltetem offenem Bewerbungsverfahren

Teilnehmende

Tobias Hantmann, o.T. (1. Rang, Realisierungsempfehlung)
Tom Früchtl, Den Wald vor lauter Bäumen (1. Rang, Realisierungsempfehlung)
Inges Idee, RIFIFI (1. Rang, Realisierungsempfehlung)
Cécile Dupaquier, Zick-Zack (1. Rang, Realisierungsempfehlung)
Cécile Dupaquier, Recherche (2. Rang, Nachrücker*in)
Gerhard Mayer, o.T
Tim Trantenroth, Kognition
Stine Albrecht, Spurensuche
Monika Goetz, Unter der Oberfläche (2. Rang, Nachrücker*in)
A. Knobloch & U. Vorkoeper, Zusammenhalt, missing icons
F. Opel & H. Rath, Auf der Spur von Geschwindigkeit TwoConcrete
Renate Wolff, folgerichtig
Claudia Barcheri, Splash
Heike Weber & Walter Eul, knot (2. Rang, Nachrücker*in)
Josefine Günschel, Aufklärung / Enlightment
Sabine Straub, The Cloud (2. Rang, Nachrücker*in)
Heike Weber & Walter Eul, THESESYNTHESEANTITHESE
Lutz-Rainer Müller & Stian Ådlandsvik, Schwund L+S

Fachpreisrichter*innen

Barbara Wille (Vorsitz, Bildende Künstlerin)
Jörg Daur (Stellv. Direktor, Kustos moderne und zeitgenössische Kunst, Museum Wiesbaden)
Anne Haring (Bildende Künstlerin, Saarbrücken)
Gregor Jansen (Direktor der Kunsthalle Düsseldorf)

Sachpreisrichter*innen

Frank Arnold (Arnold und Gladisch Architekten)
Olaf Quaas (Bundeskriminalamt)
Manfred Reuß (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben)

Ständig anwesender stellvertretender Fachpreisrichter

Fritz Balthaus (Bildender Künstler)

Wettbewerbskoordination

Stefan Krüskemper
Katinka Theis
Oscar Ardila

Zum Wettbewerb

Für vier unterschiedliche Arbeitsbereiche des im Bau befindlichen Gebäudes für das Bundeskriminalamt wurden im Rahmen eines vorgeschalteten, offenen, nichtanonymen Bewerbungsverfahrens anhand von Referenzen 46 teilnehmende Kunstschaffende ermittelt und zum Wettbewerb eingeladen. Der Wettbewerb wurde als anonymer nicht offener Wettbewerb ausgelobt. Bauherrin und Ausloberin war die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Die Ausschreibung erfolgte gemäß dem Leitfaden Kunst am Bau (BMUB 2012) und in Anlehnung an die Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2013). Ziel des Wettbewerbs war es, pro Standort eine künstlerische Gestaltung zu entwickeln, die die Struktur sowie die Funktionen der öffentlichen Bereiche berücksichtigt und einen Mehrwert für die architektonische Raumqualität darstellen kann. Die künstlerische Intervention sollte dennoch in sich autark bleiben. Ein konkretes Thema wurde nicht gesetzt, jedoch ein Bezug zu den Aufgaben bzw. der Bedeutung des BKA war zwar nicht erforderlich, doch zu begrüßen.

Teilnehmende

Tobias Hantmann, o.T

Tobias Hantmann, o.T.

1. Rang, Realisierungsempfehlung

Es handelt sich um textile Reliefbilder aus Velours, in deren Oberfläche durch das gezielte Auf- und Niederdrücken des Flors Zeichnungen und Spuren eingeschrieben sind – ganz ohne zusätzliches Material. Die Motive reichen von klar erkennbaren Handdarstellungen bis zu abstrakten Berührungsspuren und verweisen auf Themen wie körperliche Präsenz, Berührung, Spurensicherung und Wahrnehmung. Damit bewegen sich die Arbeiten zwischen Fotografie, Malerei und Objektkunst und reflektieren zugleich ihre eigene Entstehung und Materialität.

Tom Früchtl, Den Wald vor lauter Bäumen

Tom Früchtl, Den Wald vor lauter Bäumen

1. Rang, Realisierungsempfehlung

Die Arbeit zeigt abstrakte Farbflächen, die aus extrem vergrößerten Fragmenten von Comicfiguren wie den Panzerknackern und den Daltons entstehen und erst aus der Distanz erkennbar werden. Sie spielt humorvoll mit Wahrnehmung, Perspektive und dem Zusammensetzen von Fragmenten zu einem Gesamtbild – eine Analogie zur Ermittlungsarbeit des BKA. Als farbiger Eingriff in der Magistrale setzt sie einen bewussten Kontrapunkt zur Architektur, belebt den Raum und lädt zur kurzen gedanklichen Distanz und Neuorientierung ein.

Inges Idee, RIFIFI

Inges Idee, RIFIFI

1. Rang, Realisierungsempfehlung

An zentraler Stelle des Foyers durchbricht ein monumentaler, mit Diamanten besetzter Bohrkörper die Decke. Aus dem Inneren seiner Doppelhelix tritt ein spotartiger Lichtkegel aus, der den darunterliegenden Terrazzoboden sanft beleuchtet. Im Boden eingelassene und verschliffene Glassplitter evozieren glitzernden Bohrstaub und verbinden Decke und Boden zu einer offenen, mehrschichtig deutbaren Erzählung.

Cécile Dupaquier_Zick Zack

Cécile Dupaquier, Zick-Zack

1. Rang, Realisierungsempfehlung

Zick-Zack ist eine Lichtinstallation aus LED-Neonröhren, die sich wie ein Blitz in schnellen Richtungswechseln durch den Luftraum des Foyers und der Glasfuge zieht und dabei Architektur, Wege und Übergänge rhythmisch markiert. In Anlehnung an Deleuze steht das Zick-Zack für Erkenntnisprozesse, die über Umwege, Verknüpfungen und plötzliche Einsichten entstehen. Als durchgängiger Lichtfaden begleitet die Arbeit Bewegung und Aufenthalt und wirkt als symbolisches, weithin sichtbares Zeichen für Analyse, Austausch und Erkenntnis im BKA-Besprechungszentrum.

Cécile Dupaquier_Recherche

Cécile Dupaquier, Recherche

2. Rang, Nachrücker*in

Die Arbeit Recherche ist eine dynamische Wandinstallation aus 48 weißen Tafeln, die mit unterschiedlichen Formaten und Wandabständen einen abstrakten Bewegungsablauf entfalten. In ihrer Abfolge und Verdichtung visualisiert sie Prozesse des Suchens, Ordnens und Erkenntnisgewinns und spiegelt damit den Verlauf einer Ermittlung. Das entstehende Gesamtbild bleibt bewusst offen – als vorläufige These, die zum Innehalten, Hinterfragen und erneuten Weiterdenken einlädt.

Gerhard Mayer_o.T.

Gerhard Mayer, o.T

Die Arbeit zeigt eine großformatige Wandzeichnung, die ein digitales Raster in eine dynamische, verfremdete Bildstruktur überführt. Durch starke Kontraste und eine handwerklich geprägte Ausführung entsteht ein Bild, das sich aus der Nähe und aus der Distanz unterschiedlich erschließt. Der Ansatz verbindet digitale Bildlogiken mit Assoziationen zu älteren Raster- und Bildverfahren und bewegt sich damit zwischen zeitgenössischer Gestaltung und historischer Bildästhetik.

Tim Trantenrot_Kognition

Tim Trantenroth, Kognition

Die Arbeit ist eine Wandmalerei, die sich erst durch die aktive Wahrnehmung der Betrachtenden und durch wechselnde Lichtverhältnisse vollständig erschließt. Abhängig von Beleuchtung und Abstand entstehen unterschiedliche visuelle Effekte, insbesondere durch den Einsatz von Crystal-Farben mit Interferenzeigenschaften. Die Muster verweisen auf Themen wie Vernetzung und Wechselbeziehungen und prägen die räumliche Wirkung des Präsidialbereichs.

Stine Albrecht_Spurensuche

Stine Albrecht, Spurensuche

Der Entwurf vereint eine Vielzahl bildlicher Motive, die unterschiedliche Bereiche der Kriminaltechnik thematisch aufgreifen. Stilistisch knüpft die Arbeit an die Bildsprache der Pop Art an und setzt auf starke Farbigkeit und klare Motive. Dadurch entsteht eine auffällige, raumprägende Gestaltung mit hoher visueller Präsenz.

Monika Goetz_Unter der Oberfläche

Monika Goetz, Unter der Oberfläche

2. Rang, Nachrücker*in

Für die Magistrale sind wandintegrierte Elemente in Türform vorgesehen, die sich an realen Türen orientieren, jedoch nicht passierbar sind und Fragen nach Wahrnehmung, Erkenntnis und Durchdringung aufwerfen. Zum Einsatz kommen geätzte bzw. sandgestrahlte Spiegel und schaltbares Verbundglas, deren verfremdete, nie ganz scharfe Spiegelbilder die Betrachter*innen im Vorbeigehen mit ihrer eigenen Silhouette konfrontieren. Jedes Element ist ein Unikat und macht das Sehen selbst zum Thema – zwischen Annäherung, Erkenntnis und bleibender Unschärfe.

A. Knobloch und U.Vorkoeper_Zusammenhalt missing icons

A. Knobloch & U. Vorkoeper, Zusammenhalt, missing icons

Die Arbeit ist ein plastischer Entwurf mit einer ausgeprägten materiellen Präsenz, der durch ein Moment des Aufbrechens geprägt ist und Assoziationen an wirkende, unsichtbare Kräfte hervorruft. Sie entfaltet eine fragile, skulpturale Wirkung und ist für eine räumliche Inszenierung gedacht, die ihre Form und Materialität frei zur Geltung bringt. Die Installation steht in enger Beziehung zum umgebenden Raum und dessen baulichen Gegebenheiten.

F. Opel & H. Rath_Auf der Spur von Geschwindigkeit_Two Concrete

F. Opel & H. Rath, Auf der Spur von Geschwindigkeit TwoConcrete

Der Entwurf ist eine raumbezogene Intervention für die Brückenbereiche, die mit ornamentalen Mustern arbeitet und die Bewegung der Passierenden aufnimmt. Material und Gestaltung sind auf die besondere architektonische Situation der Brücke abgestimmt und verstärken deren Durchgangscharakter. Die Arbeit steht in engem Zusammenhang mit Konstruktion, Bewegung und Dynamik des Ortes.

Renate Wolf_folgerichtig

Renate Wolff, folgerichtig

Der Entwurf ist eine großflächige Intervention in der Magistrale, die Wandgestaltung und Raummobiliar visuell miteinander verbindet. Er arbeitet mit einer linearen Struktur und farblichen Übergängen, die sich über den gesamten Bereich erstrecken. Ergänzende grafische Elemente erweitern die Linie zu einer komplexeren Bildstruktur und prägen die räumliche Wahrnehmung.

Claudia Barcheri_Splash

Claudia Barcheri, Splash

Der Entwurf zeigt eine strukturierte, dekorative Bodengestaltung, die in der Nahsicht detailliert wirkt und aus der Distanz Assoziationen zu Energie- und Kraftfeldern hervorruft. Die Arbeit entfaltet ihre Wirkung vor allem über den Wechsel von Nähe und Ferne in der Wahrnehmung. Sie ist als eigenständige visuelle Struktur konzipiert, die unabhängig von architektonischen oder institutionellen Bezügen gelesen werden kann.

Heike Weber & Walter Eul_Knot

Heike Weber & Walter Eul, knot

2. Rang, Nachrücker*in

Geplant ist eine repräsentative, mäandernde Skulptur aus 1040 Spiegelkugeln, die sich in vier dynamischen Strängen zu einem „gordischen“ Knoten im Luftraum des Eingangsfoyers des BKA formt und dort eine starke physische Präsenz entfaltet. Die Arbeit vereint die vielfältigen Aufgabenbereiche des BKA auf assoziative Weise, ohne sie konkret darzustellen. Durch ihre zeitlose Gestaltung soll sie als offene Projektionsfläche für den fortwährenden gesellschaftspolitischen Wandel sowie für zukünftige Besucherinnen und Mitarbeiterinnen dienen.

Josefine Günschel_Aufklärung  Enlightment

Josefine Günschel, Aufklärung / Enlightment

Der Entwurf ist als filigrane Raumzeichnung angelegt, die Licht, Text und philosophische Bezüge miteinander verbindet. Die Arbeit bespielt den Raum zurückhaltend und wirkt zugleich als Lichtinstallation und als skulpturales Element. Schrift und Licht bilden dabei eine räumliche Struktur, die sich im gesamten Raum entfaltet.

Sabine Straub_The Cloud

Sabine Straub, The Cloud

2. Rang, Nachrücker*in

Eine große Anzahl von verspiegelten Kugeln unterschiedlicher Größe bevölkert den Luftraum im Foyer des Besprechungszentrums. Je nach Standpunkt oder Laufrichtung verdichten sich die Elemente zu Gruppen oder lösen sich auf. Die hochglänzende Oberfläche reflektiert Licht und Farbe der Umgebung. Besuchende, Mitarbeiter*innen, Himmel und Architektur, alles spiegelt sich in jeder einzelnen Kugel. Je nach Lichtverhältnissen, Tageszeit, Sonnenstand oder Perspektive kann man die Umgebung wiedererkennen oder alles verdichtet sich zu purem Farbklang.

Heike Weber & Walter Eul_THESESYNTHESEANTITHESE

Heike Weber & Walter Eul, THESESYNTHESEANTITHESE

Der Entwurf nutzt farbige Glaselemente, die durch Lichtführung komplementäre Schattenbilder an den Wänden erzeugen. Neben der visuellen und sinnlichen Wirkung ist die Arbeit um eine Textebene erweitert, die einen philosophischen Bezug herstellt. Dadurch entsteht eine mehrschichtige Installation, die visuelle, räumliche und inhaltliche Ebenen miteinander verbindet.

Lutz-Rainer Müller & Stian Ådlandsvik_Schwund

Lutz-Rainer Müller & Stian Ådlandsvik, Schwund L+S

Die zweiteilige Installation besteht aus verknoteten, frei im Luftraum hängenden LED-Lichtschläuchen in aufgeschlitzten Kabelisolierungen sowie aus in den Terrazzoboden eingestreutem Kupfergranulat. Sie thematisiert auf poetische Weise Kupfer als Leitmaterial zwischen Licht, Energie, Kommunikation und Kriminalität und verweist zugleich auf Spuren von Kupferdiebstahl als organisierte Straftat. In ihrem organischen Erscheinungsbild kontrastiert die Arbeit die klare Architektur des BKA und verbindet symbolisch Boden, Raum und Licht.