Neubau Grundschule Corinthstrasse

Eckdaten

Jahr
2019
Auslober
Friedrichshain-Kreuzberg

Wettbewerbsart

Nicht offener einphasiger anonymer Kunstwettbewerb

Teilnehmende

Vanessa Henn, Follow me! (1. Rang, Realisierungsempfehlung)
Terence Haggerty, o.T.
Monika Jarecka, mobile
Maria Munoz, Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter (2. Rang, Nachrücker*in)
Kai Schiemenz, wer, wie, was – wieso, weshalb, warum?
Hans-Jörg Schneider, Über Wachstum und Form (3. Rang)
Roland Stratmann, Wir sind Helden
Nele Ströbel, musical_chair/stuhl_polka
Philip Topolovac, Wildes Denken
Yena Young, WINK WINK!

Fachpreisrichter*innen

Guido Fassbender
Josefine Günschel (Vorsitz)
Katinka Theis
Nasan Tur

Sachpreisrichter*innen

Clara Herrmann (Stadträtin)
Tiemo Klumpp (Architekt)
Bernd Westphal Lemke (Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Schul- und Sportamt)

Ständig anwesender stellvertretender Fachpreisrichter

Ka Bomhardt (ständig anwesende Stellvertreterin)

Wettbewerbskoordination

Lena Johanna Reisner
Sylvia Sadzinski

Preisgelder

Realisierungssumme:
113.000 €

Verfahrenskosten:
21.000 €

Aufwandsentschädigung:
1.500 €

Zum Wettbewerb

Anlässlich der Neugründung einer Grundschule am Standort Modersohnstraße 53/Corinthstraße im Ortsteil Friedrichshain hat das , vertreten durch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, einen nicht offenen Kunst am Bau Wettbewerb ausgelobt. Die 1912 gegründete Gemeindeschule am Rudolfplatz wurde 2015 durch einen Modularen Ergänzungsbau erweitert und soll bis 2020 mit einem Verbindungsbau von dem Büro Numrich Albrecht Klumpp Architekten ergänzt werden. Auf den sich noch in Planung befindlichen Verbindungsbau sollte sich die Kunst am Bau der 10 eingeladenen Künstler*innen Terence Haggerty, Vanessa Henn, Maria Munoz, Kai Schiemenz, Hans-Jörg Schneider, Roland Stratmann, Nele Ströbel, Philip Topolovac, Yena Young und Monika Jarecka beziehen.

Teilnehmende

Vanessa Henn, Follow me!

1. Rang, Realisierungsempfehlung
Der Entwurf zweckentfremdet die vertraute Form eines hölzernen Geländer Handlaufes, der ohne erkennbaren Sinn kreuz und quer über die Sichtbetonwand im Atrium läuft. An manchen Stellen verschwindet der Handlauf in der Sichtbetonwand, um auf der anderen Seite, das heißt im anliegenden Treppenhaus seinen Lauf fortzusetzen. Die Form der Treppenstufen des anliegenden Treppenhauses werden wiederum auf der Vorderseite, auf der Sichtbetonwand im Atrium reliefartig abgebildet.

Terence Haggerty, o.T.

Der Entwurf ging auf eine sehr formale Art und Weise mit dem großen Raum des Foyers um. Er sieht eine Installation aus blau beschichteten Stahlbändern auf der Sichtbetonwand des Atriums vor. Es wird der Eindruck erweckt, Linien falten beziehungsweise schieben sich aus der Betonwand heraus und kreieren räumliche Vorsprünge. Die großflächige ebene Oberfläche der Wand soll durch die dreidimensionale Struktur bewegt werden, indem der Blick der Betrachtenden immer wieder vor und zurück geworfen wird.

Monika Jarecka, mobile

Der Entwurf hat sich auf die Sichtbetonwand des Foyers mit einer linearen, farbigen Wandmalerei bezogen, welche den großen Raum mit einem Geflecht aus sich kreuzenden Linien überzieht. Die Malerei bezieht sich auf Mobiles als Konstruktion von sich leicht bewegenden Gegenständen, die lediglich einen Luftzug benötigen, um ihre Position zu verändern. Die einen unsichtbaren Fluchtpunkt umspielenden, fliehenden Linien sollen im Atrium neue Räume schaffen, die sich ineinander verschieben und einander durchdringen.

Maria Munoz, Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter

2. Rang, Nachrücker*in
Der Entwurf ist von dem Observatorium inspiriert, das sich damals in der zentralen Kuppel des von Ludwig Hoffmann errichteten Hauptgebäudes der Emanuel-Lasker-Oberschule befunden haben soll. Abgeleitet von den Abmessungen der Oberlichter des Daches soll eine große Sternkarte des Himmels der nördlichen Hemisphäre entstehen und mittig an der Wand des Atriums angebracht werden. Ein sich im Uhrzeigersinn drehen der Ring mit einem programmierten Motor markiert jeweils den Bereich des Himmels, der um Mitternacht durch die Dachoberlichter sichtbar ist. Die Sternbilder werden mit LED Licht beleuchtet und die Himmelsrichtungen durch Buchstaben markiert.

Kai Schiemenz, wer, wie, was – wieso, weshalb, warum?

Der Entwurf besteht aus sich überlagernden Buchstaben, die in Form von farbigen Bodenfliesen über die Sichtbetonwand des Atriums verteilt sind. Die an Wortgedichte erinnernden Bilder führen die Buchstaben des Alphabets in einen anderen Bedeutungszusammenhang. Es geht nicht um die direkte Lesbarkeit, sondern um einen labyrinthischen Vorgang des Entzifferns von Farbe und Form.

Hans-Jörg Schneider, Über Wachstum und Form

3. Rang
Das Wandbild wurde motivisch der Vegetation aus dem Umfeld der Schule entnommen. Der Entwurf greift mit der Metapher des Wachstums von wilden und sich rankenden Pflanzen körperliche, seelische und geistige Prozesse im Menschen auf. Im übertragenen Sinne ein Bild für die Kraft individueller Entwicklungsvorgänge im schulischen Zusammenhang. Das Wandbild soll aus den Grauwerten des Sichtbetons entwickelt werden, das durch das Motiv einer Taubnessel in kräftigem Rot kontrastiert wird.

Roland Stratmann, Wir sind Helden

Bezieht sich auf die Sichtbetonwand des Atriums als ein imaginäres Himmelsfeld, in dem farbenfrohe und bewegte Wolkenformationen zu sehen sind. Die comicartigen Wolken sind auf konturgeschnittene Holzscheiben gezeichnet und werden ergänzt durch Sprechblasen im Treppenhaus, welche die Geschichte von drei Schüler*innen erzählen sollen, die sich den Himmel in der Schule vorstellen und wie es wäre, wenn man direkt über die Treppe in die Wolken steigen könnte. Die Schüler*innen selbst sind nicht zu sehen, sondern nur ihre Sprechblasen, die über alle Stockwerke im Treppenhaus verteilt sind.

Nele Ströbel, musical_chair/stuhl_polka

Der Vorschlag sieht an der Wand im Atrium eine Installation von beschichteten Aluminiumplatten vor, die 26 zeitgenössische und historische Schul- und Kinderstühle abbilden. Die Komposition der Stuhlsilhouetten deutet einen hinauf strebenden Wirbel an, der an Musiknoten denken lässt. Auf drei Abstandsebenen angeordnet entstehen diverse Schattenspiele. Inspiriert ist die Arbeit vom Mehrpersonenspiel Stuhlpolka beziehungs- weise der Reise nach Jerusalem. Damit soll auf die Geschichte des Sitzens verwiesen und gleichzeitig zu Bewegung und Kommunikation angeregt werden.

Philip Topolovac, Wildes Denken

Der Entwurf besteht aus fünf skulpturalen Objekten, die in einem unregelmäßigen Netz aus Drahtseilen im Atrium aufgehängt werden. Auf diese Weise soll eine „Mindmap-Installation“ entstehen, die mit schriftlichen Zitaten an den Wandflächen des Treppenhauses ergänzt wird. Die Satzfragmente werden aus unterschiedlichen Kontexten (Wissenschaft, Poesie, Literatur) herbeigezogen und beziehen sich alle auf die jeweiligen skulpturalen Elemente. Die fünf Formen sind aus elementaren Wachstumsprinzipien hergeleitet und verweisen in der Installation auf unterschiedliche Interpretationsmodelle von Wissensvermittlung.

Yena Young, WINK WINK!

Bespielt den Luftraum des Atriums mit einer Installation aus vier überdimensional großen Augen, deren Iris als konvexe Spiegel dienen. Die Augen bestehen aus luftgefüllten transparenten Polyurethan-Kugeln, die von außen mit Spiegelflächen beklebt werden. Die Spiegelungen der jeweiligen Iris sollen eine Interaktion zwischen den Schüler*innen im gesamten Treppenraum möglich machen. Laut Verfasserin können über die indirekte Art und Weise der Kommunikation Scheu und Ängste überwunden werden und das eigene Sozialverhalten gestärkt werden.