Kunst Im Stadtraum Am Hansaplatz

Eckdaten

Jahr
2018
Auslober
Mitte

Wettbewerbsart

Nicht offener einphasiger anonymer Kunstwettbewerb

Teilnehmende

Ulf Aminde mit Christoph Grund, deutsche wohnen – was singen die diven? (Realisierungsempfehlung)
Esra Ersen, Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre (Realisierungsempfehlung)
Folke Köbberling, Nachbarn auf Zeit (Realisierungsempfehlung)
Jan Köchermann, Horu (Realisierungsempfehlung)
Kristina Leko und David Smithson, Bringt ein paar Stühle mit oder lass uns auf dem Boden sitzen, MITEINANDER IN DER STADT VON MORGEN, DAS GUTE IM LEBEN IM HANSAVIERTEL (Realisierungsempfehlung)
bankleer, Gebeugte Räume
Stefan Endewardt, Monumente des Alltags - The Wispering Wall
Martin Kaltwasser, die Stadt von Morgen
Fabian Knecht, Ornament
Felix Lüdicke, Inside Out
Ruinenwert
Sonya Schönberger, Die Hansaplatz-Protokolle
Theresa Schütz, Available Forms-Verhandelte Spielräume
Anna Witt
Ralf Witthaus, Den Gestrauchelten

Fachpreisrichter*innen

Markus Bader (Vorsitz)
Marie Luise Birkholz (stellvertretende Vorsitzende)
Veronique Facheur
Harry Sachs

Sachpreisrichter*innen

Kirsten Geisler (Vertreterin des Hansaplatzes/Bürgerverein Hansaplatz)
Dr. Andreas Prüfer (Senatsverwaltung für Kultur und Europa)
Sabine Weißler (Bezirksamt Mitte, Bezirksstadträtin für Weiterbildung und Kultur)

Ständig anwesender stellvertretender Fachpreisrichter

Cagla Ilk

Wettbewerbskoordination

Elke Falat (künstlerische Leitung)

Preisgelder

Realisierungssumme:
100.000 €

Verfahrenskosten:
100.000 €

Aufwandsentschädigung:
1.000 €

Zum Wettbewerb

Mit diesem „Pilotprojekt“ des Beratungsausschuss Kunst (BAK) soll ein Auftakt gesetzt werden für eine verstärkte künstlerische Auseinandersetzung mit einzelnen Berliner Stadträumen.  Dem Wettbewerb um fünf temporäre, künstlerische Ideen für den Hansaplatz gingen zwei Bürger*innenforen im Sommer 2018 voraus. Das Pilotprojekt für Kunst im Stadtraum am Hansaplatz in Berlin-Mitte untersuchte die aktuellen Formen, Potenziale und Vermittlungsmethoden urbaner Kunst. Ziel war es, durch vier bis fünf temporäre Kunstwerke neue Perspektiven auf den Platz zu eröffnen und Kunst als soziales wie urbanes Phänomen neu zu denken. Im Mittelpunkt stehen Teilhabe, Chancengleichheit und die Einbindung der Anwohner*innen in die künstlerischen Prozesse.

Teilnehmende

Ulf Aminde mit Christoph Grund, deutsche wohnen – was singen die diven?

Realisierungsempfehlung
Es entsteht eine Oper als Film, musikalisch und filmisch inszeniert mit Gruppierungen und Einzelpersonen aus dem Hansaviertel und der Karl-Marx-Allee. Ziel ist es die Stimme der Einzelnen hörbar zu machen und sie zu den Stimmen der Häuser werden zu lassen. Die Uraufführung des Filmes soll am Hansaplatz unter freiem Himmel gezeigt und mit Livemusik, Projektionen und Sänger*innen ergänzt werden. Gezeigt werden dokumentarische Aufnahmen von Aussen / Innen, privatem und öffentlichem Leben, performative Interventionen mit Anwohner*innenn und Passant*innen, Obdachlosen, Hasen und Füchsen, musikalisch- filmische Aufnahmen mit Bewohner*innen. Die Architekturen sollen gefilmt werden wie Diven. Historisches Material wird einbezogen (wenn möglich). Interviews mit Bewohner*innen und Akteur*innen lassen Texte entstehen, die zu Libretti werden, die im Sprechgesang und mit Melodie zu Arien werden können.

Esra Ersen, Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre

Realisierungsempfehlung
Der Entwurf umfasst vier temporäre Installationen von „archetypische Formen“ an verschiedenen Orten des Hansaplatzes: Makam von einem Haus, Makam von einem Boot, Makam von einer Kanzel, Makam von einem Turm. Die arabische Bezeichnung Makam bedeutet u.a. „Ort geistiger Präsenz“[...]. Die Installationen [...] referieren auf die wechselhafte Geschichte des Hansaplatzes, die insbesondere in seiner Bebauung Ausdruck fand. Durch die räumliche Verteilung der Installationen an mehreren Stellen wird der Hansaplatz mit einem neuen Netzwerk an Bedeutungen belegt. In vier Vorträgen von Wissenschaftlern, die sich mit historischen, sozialen oder technischen Epochenwechseln und Umbrüchen beschäftigen, eingeladen werden, solle ein Einblick in aktuelle Forschung gegeben werden und das Publikum die Gelegenheit bekommen, zu diesen Themen ins Gespräch zu kommen.

Folke Köbberling, Nachbarn auf Zeit

Realisierungsempfehlung
Der Entwurf „Nachbarn auf Zeit“ besteht aus drei Teilen: - Einer Schafswanderung mit 200 Schafen, die nach der Wanderung wieder abtransportiert werden. - Einer kleinen Herde von fünf Schafen, die nach der Wanderung für die Dauer von einem Monat auf dem Hansaplatz bleibt und von lokalen Familien und der/dem Künstler*in betreut wird. - Einem Workshop, in dem die zeitgleich mit den Schafen angelieferte Wolle zu einer Filzdecke verarbeitet wird.

Jan Köchermann, Horu

Realisierungsempfehlung
Der Entwurf besteht aus zwei Installationen: Zum einen eine begehbare Kulisse in Form einer Bergspitze mit Höhleneingang, die durch Spiegelung im Wasserbecken, Bepflanzung und eine Straßenlaterne eine surreale Szenerie erzeugt. Zum anderen ein gegenüberliegender Souvenirshop, der Postkarten und eine Höhlenzeitung anbietet, welche durch Beiträge von Bürger*innen mitgestaltet werden. Die Installation lädt so zu Interaktion und partizipativer Auseinandersetzung mit den künstlerischen Fragestellungen ein, begleitet von hörbaren O-Tönen aus den Begegnungen.

Kristina Leko und David Smithson, Bringt ein paar Stühle mit oder lass uns auf dem Boden sitzen, MITEINANDER IN DER STADT VON MORGEN, DAS GUTE IM LEBEN IM HANSAVIERTEL

Realisierungsempfehlung
Im Fokus des Entwurfs 1011 stehen das Gemeinschaftskonzept des Niemeyer-Haus und des Van-den-Broek-Haus. In dem einen Haus funktioniert der Gemeinschaftraum gut, in dem zweiten kaum. Warum dem so ist und wie man besser hier vor Ort und auf dieser Welt leben kann, soll in einem partizipativen Prozess mit den Anwohner*innen erörtert werden. Dafür werden in die Grundrisse von den Wohneinheiten und den Gemeinschaftsräumen in Form von zwei Bodeninstallationen auf den Grünflächen vor den beiden Gebäuden übertragen. Diese Grundrisse werden mit einfachen Baumaterialien wie Betonsteinen und Gehwegplatten hergestellt. Diese Freiluft-Rauminterventionen werden zu einem Treffpunkt und zur gemeinsamen Bühne der Nachbarschaft. Ein Veranstaltungsprogram findet an beiden Standorten statt und verbindet die beiden Orte über einen Zeitraum von 8 Wochen miteinander. Geplant sind 16 Veranstaltungen und ein Workshop an dessen Ende ein gemeinsames Manifest verlesen werden soll.

bankleer, Gebeugte Räume

Im Ladenzentrum am U-Bahnhof Hansaplatz ist für die Dauer von drei bis vier Wochen –vorzugsweise im September 2019 – eine Rauminstallation mit konvex und konkav gebogenen freistehenden Spiegelwänden auf zwei gegenüberliegenden Wänden geplant, in der Performances mit Schauspieler*innen und Laien stattfinden sollen. Aufführungen in der Installation finden an ca. 15 Terminen statt. Unbespielt ist die Installation ein visueller Eingriff, der die räumliche Perspektive verändert und eine Verwicklung mit dem Passagen- Raum und den Menschen ermöglicht. Die Spiegelwände haben mehrere Öffnungen, die von Schauspieler*innen oder vice versa vom Publikum bespielt werden können.

Stefan Endewardt, Monumente des Alltags - The Wispering Wall

The Wispering Wall (AT) ist eine verspiegelte Wand (2.5 x 5 x 0,5 m) mit 24-Kanal Soundinstallation auf dem Hansaplatz. Die Arbeit versteht sich als vielschichtiges, kaleidoskopartiges Gefüge mit verschiedenen sichtbaren und unsichtbaren Kontextebenen und versucht, sowohl optisch als auch inhaltlich mit seiner Umgebung und deren Bewohner*innen in Verbindung zu treten, indem sie ihren Blick auf eine materialisierte und mentale Konstruktionsform der Menschheit richtet, nämlich die Konstruktion von Wänden.

Martin Kaltwasser, die Stadt von Morgen

Der Entwurf sieht die temporäre Installation von fünf großen Schautafeln auf dem Hansaplatz vor, die die Frage nach der „Stadt von morgen“ aus heutiger Perspektive thematisieren. Die Tafeln veranschaulichen zentrale architektonische und städtebauliche Prinzipien der Interbau 1957 und machen den Unterschied zum aktuellen Zustand des Hansaviertels sichtbar. Durch die offene Inschrift „die Stadt von morgen ist…“ werden Passant*innen eingeladen, partizipativ Kommentare zu hinterlassen und die Tafeln als Diskursraum zu nutzen.

Fabian Knecht, Ornament

Ornament besteht aus einer Reihe von voraussichtlich 30 Performances. Die Performance besteht jeweils aus einer Person (professionelle Stunt-Frau oder Stunt-Man), der/die für die Dauer von ein bis zwei Stunden an einer Häuserwand hängt oder in einem Treppenhaus. Vermittelt werden soll ein Bild des „in der Luft Hängens“. Gebrochen wird dieses Bild dadurch, dass die hängende Person nicht panisch ist, sondern einfach da nur ruhig hängt.

Felix Lüdicke, Inside Out

Die Installation „Inside Out“ besteht aus einem Bücherboard, Sitzelementen und von den Bewohner*innen des Hansaplatzes gestifteten Büchern. Die Installation bezieht sich formal und inhaltlich auf dem Innenhof der Hansabibliothek, der im Rahmen der Sanierung im Jahr 2019 nicht zugänglich sein wird. Durch die Installation wird dieser Innenhof quasi nach draußen auf das Rasenplateau verlagert.

Ruinenwert

Die Arbeit „Ruinenwert" zeigt ein Architekturmodell des Bundeskanzleramts nach seiner fast vollständigen Zerstörung. Die Arbeit besteht aus einer mit zwei Neonröhren beleuchteten Vitrine, wie sie in den Westberliner Fußgängerzonen gängig war und die eigens gebaut wird. In ihr steht die modellhafte Ruine des Bundeskanzlerinnenamts. Die Vitrine ist in dem selben metall-grünem Farbton gestrichen, wie die Innenverkleidung des Kanzleramts, in einem originalen Autolackton von Porsche (LM6Y/33N).

Sonya Schönberger, Die Hansaplatz-Protokolle

Die Hansaplatz-Protokolle sind ca. 25-50 aufgezeichnete, anonymisierte Gespräche mit Nutzer*innen des Hansaplatzes, die als Buch veröffentlicht werden. Im September sollen öffentliche Lesungen an Orten wie z.B. der Shisha-Bar, der Hansabibliothek oder vor der Kirche stattfinden. Die Texte sollen von professionellen Schauspieler*innen gelesen werden. An die jeweilige Lesung soll sich eine Diskussion mit Moderation anschließen. Das Buch soll in den Bestand der Hansabibliothek aufgenommen werden und an die Protagonist*innen verteilt werden. Die Diskussionen sollen dokumentiert werden.

Theresa Schütz, Available Forms-Verhandelte Spielräume

Über einen Zeitraum von vier Wochen bis Mitte September 2019 werden am Wasserbecken vor der Hansabücherei unzählige Schalen aus Ton geformt, getrocknet und gebrannt. Die gebrannten Tonschalen werden dann auch zu Klanginstrumentarium, um das sich ein Ensemble bildet, das Offenheit zum musikalischen Motiv einer Komposition erhebt, die über und unter Wasser mit dem Zufall des Aufeinanderprallens und der Intensität der Berührung im Vielklang der Formen spielt. In einem partizipativen Prozess bei dem der/die Künstler*in durchgängige am Wasserbecken vor der Hansabibliothek präsent sein wird, sind Passant*innen eingeladen, gemeinsam Objekte aus Ton zu formen. Ein großer Block einzeln verpackter aufgetürmter Ton-Hubel steht für den gesamten Zeitraum ungesichert neben dem Becken. Die entstehenden Formen erinnern an Tassen, an Alltagsgegenstände aus dem privaten Bereich

Anna Witt

Ralf Witthaus, Den Gestrauchelten

Der Entwurf Den Gestrauchelten ist eine räumliche Intervention auf den Grünflächen des Hansaplatzes und daran angrenzend. Der/die Künstler*in ist für die Dauer von 3,5 Wochen vor Ort und spricht mit Menschen auf dem Hansaplatz. Aus den Buchstabenzwischenräumen von Vornamen von Obdachlosen, die der/die Künstler*in in Erfahrung bringt, werdengraphische Formen entworfen, die rund um den Hansaplatz bis zur Grasnarbe in den Rasen geschnitten werden. Ein Buchstaben-zwischenraum wird für die künstlerische Umsetzung stark vergrößert und hat die Größe eines Zimmers oder einer kleinen Wohnung. Durch jede der graphischen Formen läuft eine gerade dünne Linie, wie ein Ast eines Strauches, oder eine Bruchlinie, die das Buchstabenfragment viel empfindlicher wirken lässt und ihm einen räumlicheren Charakter gibt.